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15.11.2005

CONSOZIAL Rückblick

Alternative Wohnformen standen im Mittelpunkt

Die Besucher der CONSOZIAL nutzten die Präsenz des INFAQT und seiner Kooperationspartner für intensive Fachgespräche, insbesondere über die zukünftige bauliche und konzeptionelle Gestaltung von Haus- und Wohngemeinschaften.

 

Prof. Charles Tilquin (re) Herr Daehler (mi) und Besucherin

Es wurde deutlich, dass sich schon einige Träger,-nicht nur "theoretisch"-, mit der so genannten 4. Generation im Pflegeheimbau auseinander gesetzt haben, sondern es gibt schon sehr qualitätvolle praktische Umsetzungen dieser Konzeption. Hervorzuheben ist hier sicherlich die Vorstellung der Hausgemeinschaften im Haus Saalepark des Diakonischen Werks in Hof.
Unter den Überschriften "Mehr Lebenswert am Lebensabend" und "Architektur gestaltet das Leben" stellte das Diakonische Werk im Rahmen der Fachmesse eine aus unserer Sicht gelungene Umsetzung des Hausgemeinschaftskonzepts in einer ihrer Einrichtungen vor. Der nächste Schritt ist die Planung eines Neubaus in Konradsreuth, bei dem die Hausgemeinschaften in "Reinkultur" umgesetzt werden sollen.

Die Begeisterung des Trägers und seiner Mitarbeiter für dieses Konzept war in den Gesprächen und auch bei der Präsentation allgegenwärtig. Dieses Wissen um die reale Chance -mit einem neuen Denken und einfachen Mitteln- mehr Lebensqualität in den Alltag Pflegebedürftiger zu bringen, hat auch die Initiatoren der Hausgemeinschaftsidee, Herrn Winter (Architekt) und Herrn Gennrich (Diplom-Sozialgerontoge), vor nun mehr als 6 Jahren, dazu angetrieben dieses Konzept in Deutschland, aber auch in den angrenzenden Ländern, als 4. Generation im Pflegeheimbau publik zu machen. Einen gewichtigen Anteil an der Umsetzung hatte sicherlich auch das Modellprogramm des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung, welches diese Wohnform zu Beginn modellhaft förderte.
Das die Hausgemeinschaftsidee den Schritt vom Modell in die Praxis geschafft hat, ist für die beiden ehemaligen Mitarbeiter des Kuratoriums Deutsche Altershilfe eine Bestätigung ihrer Arbeit.
 
Herr Hans Peter Winter (li) und Herr Schaarschmidt

Auf reges Interesse stieß auch das Konzept der "Hausgemeinschaften für Dorfgemeinschaften" welches in Kooperation mit dem Architekturbüro Schaarschmidt und dem renommierten Systembauer ALHO (Morsbach) im Rahmen einer engen Kooperation von INFAQT angeboten wird.
Diese Wohnhäuser für Pflegebedürftige eigenen sich insbesondere für ländliche oder auch dünn besiedelte Regionen und auch Stadtrandlagen, in denen die pflegerische Infrastruktur unzureichend ist. Das Besondere an diesen Häusern ist, dass sie sowohl als ambulant betreute Wohnform, aber auch als vollstationäre Einrichtung (beispielsweise als Ergänzung zu einem bestehenden Pflegeheim) realisiert und betrieben werden können.
 
Herr Gennrich erläutert die Grundrisse des Pflegewohnhauses

Das Basiswohnhaus mit 12 Wohnungen bzw. Plätzen wird zu einem Festpreis schlüsselfertig und in kürzester Zeit (Bauzeit 3 Monate) realisiert. Die Baukosten (Kostengruppe 300-400) liegen, je nach Ausstattung, incl. Gründung bei ca. 53.000 bis 57.000 Euro (brutto) pro Platz, bzw. Mieter. Unter Berücksichtigung der regional unterschiedlichen Kosten für die Erschließung, Außenanlagen, Ausstattung und Nebenkosten ergeben sich für ein "löffelfertiges" Pflegewohnhaus ca. 780.000 Euro (65.000 Euro pro Platz/Mieter). 
Jeder Mieter bzw. Bewohner hat in diesem Haus sein eigenes Zimmer mit Bad und eine Terrasse mit Austritt in den Garten. Obligatorisch sind auch die optimal geschnittene gemeinsame Küche und der großzügige Wohnessbereich für die Mieter/Bewohner des Hauses.
Je nach Typ und Erfordernis kann auch ein ambulanter Dienst mit einem eigenen Büro in das Haus integriert oder auch zwei Module zu einer "Hofstruktur", mit dann 24 Plätzen und geschützten Innenhof kombiniert werden.
Obwohl diese Häuser selbstverständlich auch konventionell gebaut werden könnten, spricht die hohe und vom Bauträger garantierte Qualität und die Termin- und Kostensicherheit für die Umsetzung in Systembauweise.
 

Pflegezeit und Personalbedarfsermittlung nur (noch) ein Randthema?

Obwohl Herr Prof. Tilquin aus Anlaß der CONSOZIAL aus London angereist war, nutzten nur wenige die Gelegenheit, direkt mit ihm über Fragen der Finanzierung der Pflege und der Personalbedarfsermittlung zu diskutieren. Allerdings war auch nicht zu erwarten, dass nach dem Scheitern der Verhandlungen im letzten Jahr, das Thema "PLAISIR" wieder aufleben würde. Ganz im Gegensatz zum Entstehungsland des PLAISIR Verfahrens -Quebec-, wo das Verfahrens ab 2006 wahrscheinlich nunmehr für alle Einrichtungen verbindlich werden wird.
 
Udo Winter (li) und Professor Tilquin am ersten Messetag
 
Für das INFAQT ist das Verfahren derzeit auch nur ein Instrument zur empirisch fundierten Analyse der erforderlichen Leistungs- und Personalstruktur von Pflegeheimen, um in Kombination mit anderen Instrumenten, beispielsweise den Plantools von Herrn Daehler, die Effizienz und Wirtschaftlichkeit eines Pflegeheimes zu verbessern.

FAZIT

Die CONSOZIAL ist eine sehr interessante Fachmesse mit überwiegend sehr sachkundigen und gut informierten Besuchern und immer wieder eine Ausstellung wert.
Schade ist allerdings, dass der Einzugsbereich doch sehr auf den süddeutschen Raum begrenzt zu sein scheint.  
 

 

 

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